Objektivfindung

zumindest ein Versuch dessen 🙂

„welches Objektiv soll ich kaufen“
Oftmals liest man in den Sozialen Medien die Frage von Anfängern
Ein Objektiv ist bekanntlich keine Tafel Schokolade, da will eine Ausgabe gut überlegt sein. Warum diese Frage wenig nützt, Euch aber viel, unnötiges Geld kosten kann, erkläre ich Euch hier.

Sei es weil Euch eine Brennweite fehlt, weil ihr eine höhere Qualität braucht, oder einfach nur weil ihr euren fotografischen Schwerpunkt verändern oder erweitern wollt. Irgendwann reift in jedem von uns der Gedanke, dass ein neues Objektiv her muss.

All zu viel sollte man dann nicht auf andere hören, denn obwohl ein Objektiv ein sehr technisches Gerät ist, ist der Gebrauch sehr subjektiv und emotional. Die unterschiedlichen Aspekte, wann für Jemanden ein Objektiv gut ist, machen einen Vergleich oder eine allgemeine Aussage nahezu unmöglich.
Ein paar unterschiedliche Aspekte als  Beispiele
– Kosten: Der Eine kann/will nicht viel fĂĽr sein Hobby ausgeben, der Andere investiert und ihm sind die Kosten egal
– Gewicht: Der Eine möchte es möglichst leicht, dem Anderen ist das Gewicht egal
– Deine Eine achtet auf das Preis-Leistungsverhältnis, der Andere ausschlieĂźlich auf Qualität
– Laufrichtung Brennweitenring, was fĂĽr den Einen richtig rum ist, ist fĂĽr den anderen falsch rum, den Dritten stört es gar nicht (Haptik)
 
Kurz um, jeder vergleicht es mit seinen eigenen, individuellen Gegebenheiten und Emotionen. Das erklärt auch warum ein Objektiv in Bewertungen oder Fotogruppen von Schrott bis Hervorragend bewertet sein kann.

Aber wie findest Du jetzt zu „deinem“ Objektiv?
 
1. Was will/kann ich maximal ausgeben?
Jeder Kauf braucht einen finanzielle Rahmen

2. Was will ich damit fotografieren?
So einfach und vielleicht albern die Frage erscheint, so wichtig ist sie und so oft wird sie vernachlässigt.  Die Beantwortung  klärt bereits 75% ab.
Anfänger machen oft den Fehler und fragen, „Ich habe das Objektiv xy, wie kann ich damit Katzenbilder machen?“ die richtige Frage wäre aber „Ich will Katzenbilder machen, welches Objektiv brauche ich dafür?“

a) Das Motiv bestimmt die Brennweite …will man sich z.B auf Portraits spezialisieren brauche ich selten was unter 35/50 mm und über 200mm.
Bei Wildtieren kann es meist ĂĽber 200mm sein, fĂĽr Landschaftsaufnahmen bin ich im Weitwinkelbereich.
b) Das Motiv bestimmt die Geschwindigkeit…preisgünstige und/oder Objektive mit großer Brennweitenspanne sind oft nicht besonders schnell.
So kann ein gĂĽnstiges Objektiv tolle Dienste leisten wenn es zB um Blumen oder Schnecken geht, bei tobenden Katzenbabys wird es aber heillos ĂĽberfordert sein.
c) Das Motiv bestimmt die Ă–ffnungsblende. Ein weiteres Kriterium ist die Lichtstärke.  Wenn man zB bei Landschaftsaufnahmen eh mit viel Schärfentiefe arbeiten will, wird man eine Ă–ffnungsblende von f3,5 eher verkraften können, als fĂĽr die offenblendige Freistellung bei Portraits, wo Manchen noch f1,8 zu wenig ist

Brauche ich sogar etwas spezielles, wie zB ein Makroobjektiv? Besondere Naheinstellgrenze? einen bestimmten AbbildungsmaĂźstab?

Portrait? (Tamron 85mm 1,8)

3. Welches System?
Also klar Canon, Nikon, Sony, E-Mount, Sony A_Mount, etc etc etc …aber eben auch die Sensorgröße ist wichtig.
Ein APSC Weitwinkel ist deutlich kompakter (und gĂĽnstiger) als ein Weitwinkel fĂĽr Vollformat.
Es macht natĂĽrlich auch wenig Sinn ein reines APSC Objektiv zu kaufen, wenn ihr schon damit liebäugelt auf eine Vollformatkamera upzudaten.  

oder Makro? (Tamron 90mm 2,8)

4. Festbrennweite oder Zoom
Die Gretchenfrage.  Festbrennweiten sind einfacher in der Konstruktion und damit auch im Preis-Leistungsverhältnis immer besser. Soll heiĂźen, eine hochwertige Festbrennweite ist idR gĂĽnstiger als eine vergleichbar hochwertige Zoomlinse. FrĂĽher brauchte man Festbrennweiten wenn man das max. an Qualität haben wollte. Die hochwertigen Zooms sind heutzutage so gut dass das bei 90% von uns keine Rolle mehr spielt. Aber es bleibt auch immer etwas eigene Philosophie. Mit der Festbrennweite fotografiert man viel bewusster, mit einem Zoom ist man beweglicher.
Ich persönlich halte einen guten Mix für gesund, und möchte auch nichts ausschließen. Jede Art hat ihre Daseinsberechtigung.

oder doch Landschaft 🙂 (TAMRON 35-150mm F/2.8-4.0)

Wenn Ihr Euch diese Fragen beantwortet habt, wisst ihr jetzt also Brennweite, Ă–ffnungsblende, Antrieb und Anschluss. Dann mĂĽsst ihr nur noch Marken und Preise vergleichen.

Auch noch einen Tipp, nehmt das Objektiv vorher mal in die Hand und testet es nach Möglichkeit an der Kamera. Bei den Fotohändlern könnt ihr idR vor dem Kauf testen.  Es ist eine sehr subjektive Sache. Manche wollen unbedingt Originalobjektive, zahlen dafĂĽr auch gerne mehr. Obwohl die nicht immer besser sind. Manche schwören auf Sigma, ich arbeite seit Jahren zu 95% ausschlieĂźlich mit TAMRON.
Wie man bei uns in Köln sagt, jede Jeck is anders J

Ihr seht also, Objektivfindung ist ein kompliziertes Thema. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht.  Es gibt Reisezoooms, mit groĂźer Brennweitenspanne. Die decken sehr viel ab und sind mittlerweile richtig gut (und viel besser als ihr Ruf, hier nachlesen), haben aber auch Nachteile.


Zusammenfassung  (mit Beispiel)
1. Budget (600.-)

2. Motiv (Portrait  also Brennweite ca 35mm-135mm, möglichst offenblendig)

3. System ( Canon Vollformat)

4. Festbrennweite

Also komme ich fĂĽr mich auf das Tamron 85mm f1,8 Canon Anschluss  (nebenbei gesagt meine absolute Lieblingslinse :-))


Ich hoffe, ich konnte Euch etwas Licht in die Frage nach dem nächsten Objektiv bringen.