Die Makro-Falle

Oder, ist mein Makroobjektiv wirklich so schlecht?

Oft lese ich dass Anfänger mit Ihrem Makro Objektiv unzufrieden sind, dass es keine guten Bilder werden. Selbst bei dem Objektiv, das ich verwende, und mit dem ich restlos zufrieden bin, dem 90mm 2.8 von Tamron, lese ich das.

Das Positive zuerst, in den allermeisten Fällen liegt es nicht am Objektiv

Tamron 90mm 2.8 f6,3 1/160 Iso 800

Zunächst einmal gilt es zu prüfen, habt ihr überhaupt ein „echtes“ Makroobjektiv?
Es gab eine Zeit, da wurde von nahezu allen Objektivherstellern der Begriff „Makro“ aus Marketingzwecken etwas sehr großzügig gebraucht. Einige Teleobjektive haben den Zusatz „Makro“ erhalten. Diese Objektive hatten in der Funktion dann einen etwas besseren Abbildungsmaßstab, oder eine bessere Naheinstellgrenze, mit wirklichen Makroaufnahmen hatte das aber nichts zu tun.
Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei, aber natürlich gibt es die Objektive noch.
Deswegen solltest Du Dir den Abbildungsmaßstab deines Objektives ansehen.  Dieser sollte min 1:2 betragen, besser noch 1:1. Ein Abbildungsmaßstab von 1:1 bedeutet, dass das Objekt mit seiner tatsächlichen Größe auf den Sensor geschrieben wird.  Ein Abbildungsmaßstab von 1:2 bedeutet, dass das Objekt halb so groß auf den Sensor geschrieben wird.  

Rein von den Werten zeichnet sich ein gutes Makro also aus durch
– Abbildungsmaßstab 1:1
– kurze Naheinstellgrenze zb 30cm (aber Vorsicht, siehe „Fluchtdistanz“)
– Anfangslichtstärke zb f2.8

So, jetzt habt ihr Euch ein Makroobjektiv gekauft, und die Bilder werden trotzdem nicht besser, wo ist also die „Falle“?

Tamron 90mm 2.8 f6.3 1/200 Iso 1250

Ist all about Physik 🙂 Aber ich mach es Euch einfach. Die Besonderheit der Makrofotografie ist, das man nur sehr wenig Schärfe im Bild hat. ( Das ist kein Merkmal des Objektives ! )
Um Das mal zu verdeutlichen: Wenn wir ganz normale Werte nehmen
Vollformat Kamera
90mm Brennweite
30cm Abstand zum Objekt
Blende 2,8

Dann haben wir eine Schärfentiefe von 8 MILLIMETER, der eigentliche „Knackpunkt“ ist noch kleiner.
Das heißt in der Praxis, ein laues Sommerlüftchen und deine eigene Atmung reihen, um das Blatt mit dem Schmetterling aus der Schärfe zu hauen  (wenn Du es nachspielen willst, bemühe mal einen depth of field calculator im Internet)

Auf den Bilder mit der 1 Euro Münze (unbearbeitet „out of cam“) seht ihr den Unterschied, auf der einen Seite frontal von oben, alles ist auf einer Schärfebene. Daneben schräg aus einem ca. 45 Grad Winkel aufgenommen.
man sieht wie schnell die Schärfe schwindet.

Frontal von oben, alles auf einer Schärfeebene = (fast) alles scharf
schräg angesetzt, viel Unschärfeverlauf

Was kann man also tun, nachdem man sich ein Makroobjektiv angeschafft hat? Also das ist kein Hexenwerk   

  1. Automatik aus – M-Modus an  (Ok, das ist mein Kredo bei jedem Fotothema)
    Eine Automatik stellt ein was sie braucht, unabhängig davon was in der Situation aus der Hand möglich ist. Die Kamera stellt zb 1/30 bei Iso 100 ein, obwohl ein 1/250 und Iso 800 die deutlich bessere Wahl wäre.

  2. Stabilität
    Und zwar so viel wie möglich, habt ihr ein Stativ dabei? Nutzt es! Wenn nicht, versucht es anders, Kamera irgendwo auflegen, sich selber irgendwo anlehnen, sicherer Stand (zb nicht hocken sondern knien)  ..lasst keine Rucksack an den Händen baumeln…stellt Euch stabil hin.
    Denkt dran, ihr habt nur wenige Millimeter

  3. Nutzt nach Möglichkeit den manuellen Fokus
    So könnt ihr den Fokuspunkt genauer bestimmen.

  4. Nutzt die Technik
    Neben möglichst kurzer Verschlusszeit und möglichst viel geschlossener Blende gibt es je nach Kameramodell noch andere Hilfsmittel, die es euch ermöglichen den Fokuspunkt noch genauer zu bestimmen. So helfen zb Fokus Peeking und Fokuslupe enorm, sie sind wie gemacht für Makroaufnahmen. Auch die Serienbildfunktion kann euch nützliche Dienste erweisen.

Bei Tiermakros lernt die Tiere kennen
Es versteht sich natürlich von selber, dass man die Tier nicht anfasst oder sonst wie manipuliert. Es ist nützlich sich mit den Tieren zu beschäftigen. Ich sprach zb von der Fluchtdistanz.  Wenn ihr ein 90er Makro mit 30cm Naheinstellgrenze habt, nutzt Euch das gar nichts wenn ihr Tiere mit hoher Fluchtdistanz fotografieren wollt.
Hier könnte ggf ein 135mm oder ein 180mm die bessere Wahl sein.
Außerdem hilft es die Tiere zu kennen. Insekten zb sind in den frühen Morgenstunden noch kalt, und somit träge. Das macht es dem Fotografen leichter.
TIPP Schmetterlinge in Schmetterlingsparks werden oft auf Bananen angefüttert, das macht es relativ leicht, da sie nicht so wild unterwegs sind wie auf der freien Wiese.

Hier noch zwei kleine Tipps zur Bildgestaltung

Achte auf die Perspektive, begib dich, wie bei dieser Flechte, auf „Augenhöhe“ ..
…oder sogar tiefer
Achte auf einen harmonischen Hintergrund, ein paar cm nach links/rechts/oben/unten können Wunder bewirken

Ich hoffe diese kleine Übersicht wird dir helfen, zukünftig knackigere Makros zu schießen. Denkt dran, ihr habt nur wenig Schärfe, nutzt sie  🙂

P.S. Es sollte noch erwähnt werden dass es die Möglichkeit gibt, mit Hilfe eines Makroschlittens ein  sogenanntes focus stacking zu machen. Dabei bleibt die Kameraeinstellung sie sie ist, die Kamera wird auf dem Makroschlitten bewegt. So werden viele Bilder mit unterschiedlichen Schärfepunkten gemacht, ohne das sich sonst etwas im Bild verändert. Die Bilder werden dann per Software zusammengelegt. Ergebnis ist ein Makrobild mit durchgängiger Schärfe, wie man es zb von Uhrenwerbungen kennt.